Nach einem Brand oder einem größeren Wasserschaden reden alle über den Sachschaden – über die Halle, die Maschinen, das Lager. Der Schaden, der Betriebe tatsächlich in die Knie zwingt, ist aber meistens ein anderer: der Stillstand danach. Die Maschinen sind ersetzt, gut. Aber wovon zahlst du in den acht Monaten bis dahin die Löhne, die Miete, den Kredit?
Was die Betriebsunterbrechungsversicherung leistet
Die Betriebsunterbrechungsversicherung – oft kurz BU oder Ertragsausfallversicherung – ersetzt den entgangenen Betriebsgewinn und die fortlaufenden Kosten, die weiterlaufen, obwohl nichts produziert oder verkauft wird. Dazu gehören Personalkosten, Mieten und Pachten, Leasingraten, Zinsen, Versicherungsbeiträge und ähnliche Fixkosten.
Voraussetzung ist ein versicherter Sachschaden. Die BU ist also kein eigenständiger Schutz gegen Auftragsflauten, sondern die Folgeversicherung zur Inhalts- oder Gebäudeversicherung. Sie greift, wenn Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel oder – falls eingeschlossen – Elementarereignisse den Betrieb lahmlegen.
Die Haftzeit ist die wichtigste Stellschraube
Die Haftzeit legt fest, wie lange der Versicherer den Ausfall trägt. Zwölf Monate klingen erst einmal großzügig, sind aber in vielen Branchen zu knapp. Wenn eine Produktionshalle abbrennt, vergehen allein für Abriss, Genehmigung, Neubau und Wiederinbetriebnahme oft mehr als ein Jahr. Und wer Sondermaschinen mit langer Lieferzeit einsetzt, wartet noch länger.
Ich rate deshalb fast immer zu 18 oder 24 Monaten Haftzeit. Der Mehrbeitrag ist überschaubar, der Unterschied im Ernstfall existenziell. Bei Betrieben mit besonderen Anlagen oder Genehmigungspflichten kann auch mehr sinnvoll sein.
Wie die Versicherungssumme richtig ermittelt wird
Die Summe orientiert sich nicht am Umsatz, sondern am Betriebsgewinn zuzüglich der fortlaufenden Kosten. Diese Größe steht so in keiner Bilanz und muss ermittelt werden. Wird sie zu niedrig angesetzt, kürzt der Versicherer im Schadenfall anteilig – das ist dieselbe Unterversicherungsfalle wie bei der Gebäudeversicherung.
Wichtig ist außerdem, die Summe regelmäßig anzupassen. Betriebe, die in den letzten Jahren gewachsen sind oder deren Personalkosten deutlich gestiegen sind, laufen sonst mit veralteten Werten.
Diese Punkte werden am häufigsten übersehen
- Rückwirkungsschäden: Ein Zulieferer oder Abnehmer fällt aus und legt damit auch deinen Betrieb still.
- Ausfall der öffentlichen Versorgung: Strom, Gas oder Wasser fallen länger aus, ohne dass bei dir ein Sachschaden entsteht.
- Zugangsbeeinträchtigung: Die Zufahrt ist nach einem Ereignis in der Nachbarschaft gesperrt.
- Wiederherstellung von Daten und Unterlagen: Ohne Kundendaten und Auftragsakten läuft der Betrieb auch mit intakten Maschinen nicht.
- Mehrkosten zur Schadenminderung: Anmietung von Ersatzflächen, Auslagerung an Partnerbetriebe, Überstunden.
Für welche Betriebe das besonders wichtig ist
Je höher die Fixkosten und je spezieller die Betriebsstätte, desto größer das Risiko. Ein Handwerksbetrieb mit Werkstatt, ein Produktionsbetrieb mit Sondermaschinen, ein Gastronomiebetrieb mit ortsgebundener Kundschaft oder ein Einzelhändler in guter Lage – sie alle können nicht einfach nebenan weitermachen. Wer dagegen überwiegend beim Kunden arbeitet und wenig ortsgebundene Infrastruktur hat, kommt mit kürzeren Haftzeiten aus.
Was ich Betrieben rate
Rechne einmal durch, wie lange dein Betrieb ohne Einnahmen durchhalten würde – mit Löhnen, Miete und Tilgung, aber ohne Umsatz. Bei den meisten liegt die ehrliche Antwort bei wenigen Wochen. Genau diese Lücke schließt die Betriebsunterbrechungsversicherung. Lass uns gemeinsam anschauen, welche Haftzeit zu deinem Betrieb passt und ob deine Versicherungssumme noch zur aktuellen Kostenstruktur passt. Einen Überblick über die Absicherung von Betrieben in Crailsheim und Hohenlohe findest du auf der Seite Für Unternehmen & Betriebe.
Häufige Fragen aus meiner Beratung
Zahlt die Betriebsunterbrechungsversicherung auch bei einem Cyberangriff? Nur, wenn ein versicherter Sachschaden vorliegt – reine Datenschäden ohne physische Beschädigung sind über die klassische BU nicht gedeckt. Für dieses Szenario braucht es die Betriebsunterbrechung im Rahmen einer Cyberversicherung.
Was ist mit einer behördlich angeordneten Schließung? Das ist die sogenannte Betriebsschließungsversicherung und ein eigenes Produkt, das vor allem im Lebensmittel- und Gesundheitsbereich eine Rolle spielt. Mit der klassischen Betriebsunterbrechung hat sie nichts zu tun.
Wie schnell fließt Geld? Gute Verträge sehen Abschlagszahlungen vor, sobald Grund und ungefähre Höhe feststehen. Das ist praktisch entscheidend, denn Löhne und Mieten warten nicht auf das Abschlussgutachten. Diesen Punkt sollte man vor Vertragsschluss klären.
Was ist eine Kleine BU? Eine vereinfachte Variante für kleinere Betriebe, bei der sich die Versicherungssumme pauschal an einem Vielfachen der Inhaltsversicherungssumme oder am Umsatz orientiert. Der Vorteil ist die einfache Handhabung, der Nachteil eine gröbere Abbildung des tatsächlichen Bedarfs.
Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine individuelle Beratung. Was im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von deiner konkreten Situation und den Bedingungen des jeweiligen Tarifs ab.