„Bei uns ist doch kein Fluss in der Nähe.“ Diesen Satz höre ich oft, wenn ich das Thema Elementarschäden anspreche. Er stimmt sogar meistens. Und trotzdem ist er das schwächste Argument gegen diesen Baustein, das mir einfällt. Denn die teuren Schäden der vergangenen Jahre entstanden fast nie durch über die Ufer tretende Flüsse, sondern durch Wasser, das von oben kam und nicht schnell genug abfließen konnte.
Wie Starkregen Schäden verursacht
Bei Starkregen fallen in kurzer Zeit große Wassermengen. Kanalisation und Versickerungsflächen sind darauf nicht ausgelegt. Das Wasser läuft oberflächlich ab, sammelt sich in Senken, folgt Hangneigungen und findet den Weg über Lichtschächte, Kellertreppen, Garageneinfahrten und Türschwellen ins Gebäude. In Hohenlohe mit seinen bewegten Lagen und Hanggrundstücken ist das ein sehr reales Szenario.
Der zweite Mechanismus ist der Rückstau. Wenn der Kanal voll ist, drückt das Wasser zurück in die Hausanschlüsse und tritt über Bodenabläufe, Waschbecken oder Toiletten im Keller aus. Das ist unangenehm, teuer und ohne Rückstausicherung kaum zu verhindern.
Was der Grundschutz nicht abdeckt
Die Wohngebäude- und die Hausratversicherung decken im Grundschutz Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch, Erdsenkung, Schneedruck, Lawinen und Erdbeben gehören ausdrücklich nicht dazu. Sie sind der Elementarbaustein und müssen aktiv eingeschlossen werden. Wer das nicht getan hat, steht nach einem Starkregenereignis mit dem gesamten Schaden allein da.
Wichtig zu wissen: Leitungswasser und Überschwemmung sind versicherungstechnisch zwei völlig verschiedene Dinge. Wasser aus einem geplatzten Rohr ist gedeckt, dasselbe Wasser von draußen ist es nicht.
Was ein Kellerschaden realistisch kostet
Ein vollgelaufener Keller ist selten mit dem Auspumpen erledigt. Estrich und Dämmung saugen sich voll und müssen getrocknet oder ausgebaut werden, Türzargen quellen auf, Elektroinstallationen im Sockelbereich müssen geprüft werden, Heizung und Hauswirtschaftsgeräte sind oft Totalschaden. Dazu kommen Trocknungsgeräte über Wochen mit entsprechendem Stromverbrauch. In Summe landet man schnell im hohen vierstelligen bis fünfstelligen Bereich – und der Hausrat im Keller ist da noch nicht mitgerechnet.
Was Versicherer erwarten – und was du tun kannst
- Rückstausicherung: Eine funktionsfähige und gewartete Rückstauklappe ist in vielen Bedingungen Voraussetzung für die Leistung bei Rückstauschäden.
- Keine wertvollen Sachen ungeschützt im Keller: Lagerung direkt auf dem Boden führt oft zu Kürzungen.
- Abflüsse und Rinnen freihalten: Laub und Schmutz sind die häufigste Ursache für überlaufendes Wasser.
- Lichtschächte sichern: Aufkantungen und Abdeckungen kosten wenig und verhindern viel.
- Schaden dokumentieren: Fotos vor dem Aufräumen, Rechnungen und Fotos der beschädigten Gegenstände aufheben.
Bekommt jeder diesen Schutz?
Grundsätzlich ja. Versicherer arbeiten mit einem Zonierungssystem, das Grundstücke nach Hochwassergefährdung einteilt. In den allermeisten Lagen in Crailsheim und Umgebung ist der Einschluss problemlos und kostet überschaubar wenig. Nur in wenigen, stark gefährdeten Lagen wird es teurer oder es gelten höhere Selbstbehalte. Auch dann lohnt sich das Gespräch, statt es einfach zu lassen.
Ein Hinweis, der leider wichtig ist: Staatliche Hilfen nach Unwetterereignissen sind kein Ersatz für Versicherungsschutz. Sie sind freiwillig, gedeckelt und werden inzwischen regelmäßig davon abhängig gemacht, ob eine Versicherung möglich gewesen wäre.
Was ich Hauseigentümern rate
Schau in deine Police und such nach dem Wort „Elementar“. Steht es nicht drin, hast du den Baustein nicht. Lass uns dann gemeinsam prüfen, in welcher Gefährdungszone dein Grundstück liegt und was der Einschluss konkret kostet – meistens ist es weniger, als die Leute vermuten. Ruf an oder vereinbar einen Termin. Einen Überblick über die Absicherung von Familien in Crailsheim und Hohenlohe findest du auf der Seite Für Privatkunden & Familien.
Häufige Fragen aus meiner Beratung
Was genau gilt als Überschwemmung? Versichert ist die Überflutung des Grund und Bodens durch Witterungsniederschläge, ausufernde Gewässer oder Rückstau. Wichtig ist dieser Punkt: Wasser, das über die Kellerfenster hereinläuft, ist Überschwemmung. Wasser, das durch ein undichtes Dach eindringt, ist es nicht – dafür braucht es einen Sturmschaden am Dach.
Brauche ich den Baustein auch für den Hausrat? Ja, Gebäude und Hausrat sind zwei getrennte Verträge und benötigen den Elementarschutz jeweils einzeln. Gerade im Keller stehen oft Waschmaschine, Trockner, Gefriertruhe und Fahrräder – die gehören zum Hausrat.
Was kostet der Einschluss ungefähr? In unproblematischen Lagen bewegt sich der Aufschlag häufig im Bereich weniger Euro im Monat. In höheren Gefährdungsklassen kann es deutlich mehr werden, teils mit erhöhter Selbstbeteiligung. Eine pauschale Zahl wäre unseriös – das muss man für die konkrete Adresse abfragen.
Gibt es eine Wartezeit? Ja, beim Elementarbaustein ist eine Wartezeit von in der Regel einem Monat üblich. Wer erst abschließt, wenn das Unwetter angekündigt ist, hat keinen Schutz. Das ist ein weiterer Grund, das Thema nicht aufzuschieben.
Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine individuelle Beratung. Was im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von deiner konkreten Situation und den Bedingungen des jeweiligen Tarifs ab.